Interessant & Hilfreich

Bindung  bezeichnet die spezifische emotionale Verbindung zwischen zwei Personen über Raum und Zeit.

In der Entwicklungspsychologie bezeichnet die Sichere Bindung die Qualität der Beziehung, die das Baby zu seiner Bezugsperson (meist Mama oder Papa) entwickelt. Der Wunsch des Babys nach einer sicheren Bindung ist ihm angeboren, daher wird es sich nach Möglichkeit eine sichere Bindungsperson suchen, was bedeutet, dass sie ihm Schutz, Pflege und Unterstützung zukommen lässt. Dieses Bindungsverhalten des Babys hat sich im Zuge der Evolution geformt und dient dem Überleben des Individuums.

Zu diesem Bindungsverhalten gehört, dass Ihr  Baby versucht mit Hilfe von Signalen, wie etwa seiner Mimik (Gesichtsausdruck), seinen Lautäußerungen und seiner Körpersprache seine grundlegenden Bedürfnisse zu vermitteln, in der Hoffnung, dass Mama und Papa seine Signale verstehen und feinfühlig darauf reagieren.

Feinfühlig auf die Signale Ihres Babys zu reagieren heißt, dass Sie in der Lage sind, diese Signale wahrzunehmen, sie richtig zu interpretieren und prompt und angemessen darauf zu reagieren. Eine sichere Bindung Ihres Babys zu Ihnen wird sich besonders dann entwickeln können, wenn Ihr Baby die Erfahrung machen durfte, dass Sie überwiegend seinen Bedürfnissen entsprechend reagiert haben.

Dann erhält Ihr Kind ein besonderes Geschenk: Es stellt sich das sogn. Urvertrauen ein. Was bedeutet, es entwickelt das positive Grundgefühl, dass es Menschen vertrauen kann, dass diese ihm wohlgesonnen und verlässlich sind.  Heute weiß man, Bindung und Vertrauen aufbauen braucht Zeit und Erfahrung miteinander. Nach ca. 1 – 1,5 Jahren hat es sich entwickelt und gilt als gut verankert.

Die Nähe zu Mama oder Papa, mit Blick- und/oder Körperkontakt über eine kurze Zeit, beendet i. d. R. bindungssuchendes Verhalten (z.B. bei spontane Ängstlichkeit, Zurückhaltung). Ihr Kind fühlt sich sicher und kann neugierig seine Umwelt erkunden (Explorationsverhalten). Hierbei zeigt die häufige Rückversicherung durch Blickkontakt zur Bindungsperson bei jungen Kindern, wie wesentlich eine sichere Bindung für die Erforschung der Welt und die spätere Aussteuerung beider Pole (Bindung und Erkundung) ist. So kann sich eine gesunder Autonomie entwickeln.

Es gibt kaum etwas so nachhaltig und positiv nachwirkendes, wie seinem Kind eine sichere Bindung mitzugeben, denn sie ist nicht nur die erste stabile Grundlage der Persönlichkeit. Langjährige Forschung haben gezeigt, dass sie auch die beste Basis ist, um im späteren Alter eine gute Eltern-Kind-Beziehung zu entwickeln und zu erhalten. Zudem sind sicher gebundene Kinder lebenslang selbstsicherer, belastbarer, sozial kompetenter und lernen leichter.

„Mach das nicht.“
       „Geh dort nicht ran.“
                   „Das kannst du noch nicht.“   …

Immer wieder rutschen einem diese Aufforderungen heraus und wir wundern uns, wie wenig sie teilweise von unserem Kind befolgt werden.

Zum einen wollen wir warnen oder auch eine Handlung unseres Kindes verhindern oder auch jemand anderen schützen, also oft hat dieser Ausspruch auch seinen Sinn.

Das Sprachverständnis lässt hier allerdings unserem Kind bis etwa 2 Jahren wenig Spielraum. Ein „nicht“ ist viel weniger nachvollziehbar als zum Beispiel die Erklärung des Tun-dürfens. Es ist für ein Kind in diesem Alter zudem kaum möglich eine Verneinung herauszuhören, was ein “nicht” verbunden mit einem Verb aber darstellt.

So könnte aus dem Satz: „Gehe nicht an die Pflanze“ werden: „Wir sehen uns jetzt die Pflanze an und dann gehen wir wieder weg und lassen sie in Ruhe“.

Unser Kind möchte natürlicherweise erkunden und erforschen und der Drang zum Beispiel zu einer Pflanze zu gehen und dies mit ihr (oder auch der Erde) zu tun ist sehr stark. Mit der o.g. zweiten Variante wird dieser Drang zum einen etwas befriedigt, zum anderen geben wir eine klare Handlungsvorgabe, die aktiv umgesetzt werden kann, also mit dem Verzicht – der schwerfällt- wird auch eine Aktion angeboten.

Es fällt einem Kleinkind so auch leichter in ein anderes Aktivitätsfeld zu kommen und gleichzeitig dabei zu lernen „Nicht alles was ich will, geht“.  Es hat verzichtet, jedoch ohne die Erfahrung zu machen für seine Neugierde „gerügt“ zu werden.

Sicher fallen Ihnen noch andere Beispiele ein. Hier noch einige zur Übung 😉

Nimm das nicht weg !  besser Lass es bitte liegen !

Geh nicht an die Vase ! besser Die Vase bleibt dort stehen ! Ich möchte, dass sie dort bleibt.

Nicht am Kabel ziehen ! besser Das Radio braucht das Kabel, das müssen wir liegenlassen !

Nein, die Spülmaschine können wir noch nicht ausräumen ! besser Guck mal, das Geschirr ist noch ganz schmutzig, erst wird es gewaschen, dann räumen wir zusammen aus.

Manchmal hilft Humor, manchmal eine persönliche Botschaft. Es erscheint vielleicht auch aufwendiger, wenn man zu Anfang etwas nach geeigneten Worten sucht, aber das wird immer einfacher. Und irgendwie bringt es einen auch selbst in eine andere Stimmung, wenn dieses harte Wort „nicht“ weniger vorkommt 🙂

Tipp: Versuchen Sie freundlich, klar und einfach zu formulieren was Sie sich wünschen, anstatt was Sie verhindern wollen.

Mein Sohn fragte mich gerade: „ Sag mal, weißt sie noch was gestern war ?“

Mit sie meint er seine kleine Schwester (19 Monate) mit der wir vor dem Mittagsschlaf noch mal kurz entspannt auf der Couch rumlümmeln.

Nun, das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass man in diesem Alter schon Eindrücke von Situationen „abgespeichert“ hat, welche dann irgendwann ähnlich wieder auftauchen und eine Art Erinnerungsempfindung wecken. Das kann das schöne Ritual vor dem Einschlafen sein, die Oma, die immer so freundlich zu ihr ist oder der große, interessante, aber auch etwas unheimliche Hund, der uns oft beim Spazierengehen begegnet.

Nachweisbar ist hierzu heute, was an Sprache gekoppelt ist, denn dies ist in neurologischen Untersuchungen erkennbar. Sobald es für etwas einen Begriff gibt und ausgedrückt werden kann, gibt es Verknüpfungen im Gehirn, die vermutlich eine bleibende Erinnerung bilden. Das geschieht etwa mit 2 – 3 Jahren. Ereignisse später wiederzugeben, also uns als Erwachsener bewußt zurückzuerinnern, gelingt meist mit Erlebnissen um das 4.Lebensjahr herum.

Verstärkt wird dies besonders durch Emotionen, positive wie negative und Eindrücke unserer Sinne, sogen. Hinweisreize. Zum Beispiel, etwas besonders Leckeres zu Schmecken oder Unangenehmes zu riechen bleibt eher haften als eine neutrale Erinnerung.

Somit ist ein besonders guter Ansatz für frühe Erinnerungen mit meinem Kind viel zu reden und es schöne Dinge z.B. fühlen, riechen, hören zu lassen. Die einfachste Möglichkeit ist hierbei raus zu gehen, am besten in die Natur. Hier erfahren unsere Kleinen die ursprünglichsten und vielseitigsten Anregungen und suchen und finden immer wieder Neues.

Ein kleines Gedächtnis zu pflegen und wachsen zu lassen gelingt auch durch:

  • Gemeinsames Ansehen von Fotoalben, mit passenden schönen Geschichten dazu
  • Dinge aussuchen zu lassen (am besten anfangs nur die Wahl zwischen zwei Varianten)
  • Wiederholungen, die unsere Kleinen ganz automatisch einfordern

Und auch wenn es uns Große vielleicht schon ein wenig langweilt, für unser Kind sind Wiederholungen lange Zeit das reinste Vergnügen (was man den Kleinen auch meist anmerkt).

Im Prinzip sind es damit die vielen alltäglichen, gemeinsamen Dinge. Und – das ist das Beruhigende daran – mehr “Training” braucht das Gedächtnis auch nicht !

denke ich manchmal…, denn es macht ruhig, fröhlich und ausgeglichen. Und ganz nebenbei hat es den schönen Effekt von Zufriedenheit. Und was sind zufriedene Kinder? Wesentlich entspannter oder zumindest bei sich anbahnenden Konflikten kompromissbereiter.

Man kann es sich ganz einfach so erklären: Habe ich eine Aufgabe die sich mir stellt, weil ich sie noch nie hatte oder auf die ich einfach neugierig bin, werde ich probieren und testen, bis ich sie gelöst haben. So ähnlich stellt sich die Welt täglich für unsere kleinen Kinder dar. Natürlich gibt es hierbei unter Umständen auch Frust und Anstrengung, denn nicht alles kann gleich gelingen, muss oft wiederholt werden oder braucht größere Kraft.

Aber HABE ich es dann geschafft, ist dies ein unübertroffenes Gefühl der Bestätigung, der SELBSTbestätigung, dass ich es kann. Es macht für diesen Moment glücklich und stolz, ganz egal wie klein die Herausforderung in den Augen eines Erwachsenen gewesen sein mag. Und dieses gute Gefühl begleitet und trägt unsere Kinder durch den Tag. Es wirkt wie ein Gelassenheitspuffer für neue anstehende schwierige Situationen: der zügige Nachhauseweg, wenn man doch noch schauen will, der Verzicht auf ein Eis (weil es schon gestern eins gab), die Puppe die einem das kleine Geschwisterchen wegnimmt usw. Es gibt unendlich viele vielleicht frustrierend wirkende Momente, die unseren Kindern einen gewissen Grad an Selbstbeherrschung oder Selbstdisziplin abverlangen. Bestätigungssituationen, wie oben geschildert, lassen Lernen zu und helfen anderes leichter zu bewältigen.

Was können wir tun, wenn wir „einfach machen lassen“ sollen?

Genau das: erst mal aktiv nichts. Oder doch! Beobachten und Abwarten und das ist ja dann doch schon eine Menge, denn es fordert unsere Achtsamkeit (vielleicht ohne Aufmerksamkeitsräuber wie Handy o.ä.). Und es kann richtig Spaß machen, einfach mal nur zuzusehen. Idealerweise bemerkt unser Kind nichts davon, fühlt sich in seiner Handlung frei und auf sich gestellt (in dem Wissen, wir sind schon irgendwo in der Nähe).

Mit “halbem Auge und Ohr” warten wir ab bis es sich Hilfe einfordert, auch wenn es zugegeben teilweise große Überwindung kostet nicht unterstützend einzugreifen (zum Beispiel, wenn es darum geht, die nächste Stufe am Klettergerüst zu erklimmen, der Mut heute noch nicht zum Runterrutschen reicht oder der Schuh alleine über diesen so „kantigen“ Fuß gezogen werden muss).

Wird es gefährlich oder doch zu schwierig kann es auch sinnvoll sein sichernd (aber ohne Körperkontakt) dabei zu stehen und aufmunternd zu sagen: “Du schaffst dass, ganz bestimmt!”. Häufig reicht das Vertrauen in mein Kind, dass man damit ausdrückt, auch um sein Selbstvertrauen zu steigern. So fühlt es sich gestärkt um weiter zu probieren oder auch den nächsten Schritt zu wagen. 

Freudestrahlend kriegen wir dann mitgeteilt, was gerade doch gelungen ist oder es lockt einfach die nächste „große Aufgabe“.

Wann kann ein Kind wie lange alleine Spielen ?  Das ist eine interessante Frage.

Unsere Kinder haben besonders in den ersten 3 Jahren ein großes Bedürfnis an zwei Dingen: Untersuchen und Spielen, was anfangs auch noch ganz oft nur Untersuchen ist. In ihrem kleinen Köpfchen warten von Beginn an unglaubliche hunderte Milliarden Nervenzellen darauf benutzt zu werden und sich darüber zunehmend zu vernetzten. Mit etwa einem Jahr existieren alle Verknüpfungen und ihr Gebrauch entscheidet nun darüber, ob sie bestehen bleiben oder nicht. War das Erkunden bis jetzt noch relativ eingeschränkt und oft mit dem eigenen Körper verbunden, explodiert nun geradezu der Forscherdrang der Kleinen. Mit gesteigerter Mobilität ist kein neues oder interessantes Objekt mehr “vor ihnen sicher”. Alles muss befühlt werden oder gekostet, wird weggetragen oder neu kombiniert. Eine etwas anstrengende Zeit für uns Eltern. Aber es ist auch gut so, denn es geht darum immer mehr zu erfahren und allein zu können. 

Kinder benötigen hierzu kaum Motivation oder Animation von außen, denn dies steckt tief in ihnen, ist ihnen sozusagen angeboren. Ein innerer kleiner Motor, der sie ständig vorantreibt. Was sie aber brauchen ist eine bestärkende Umgebung und Menschen, die ihnen Raum und Unterstützung geben. Hierzu gehört auch der Bewegungsspielraum, der so wenig wie möglich durch Wippe, Kindersitz oder Buggy eingeschränkt sein sollte. Nur in der Bewegung, im eigenen Erfahren von Grenzen und Möglichkeiten des eigenen Körpers und seiner Umgebung, ist eine gesunde und vielseitige Entwicklung möglich.

Vielleicht empfinden Sie es ja auch so, dass es sehr entlastend ist, dass wir als Eltern eigentlich gar nicht viel tun müssen, außer eine “Ja-Umgebung” zu schaffen. Also eine Umgebung in der unser Kind mit allen Sinnen erproben und erforschen kann ohne zu oft mit einem „Nein“ eingeschränkt zu werden. Was zu Hause manchmal schwierig erscheint, macht es uns in der Natur umso leichter. Meist reicht ein wenig Sand, Wasser, Wiese oder ein Baum zum Klettern und das Vertrauen von uns, dass die Kleinen meist nur ausprobieren, was sie selber schon bewältigen können. So wechseln sie von einem Spiel zum nächsten oder verweilen länger in einer spannenden Tätigkeit.

Kindern gelingt es so auch in einen sogn. (Spiel)flow zu kommen, wenn sie ohne Unterbrechung (Störung) allein von einem zum nächsten wechseln können. So lernen sie mit der Zeit auch bei sich zu bleiben ohne zusätzliche Anregung von außen zu brauchen um sich zu beschäftigen. Dies ist auch eine sehr wertvolle Zeit, weil sie die Selbstständigkeit schult, ihnen das gute Gefühl gibt etwas ohne Hilfe von außen geschafft zu haben und sie die Fähigkeit für Ausdauer, Fantasie und eigene Gedanken entwickelt.

Schon die ganz kleinen Krabbler sind dazu in der Lage und finden zum Beispiel einen Kochlöffel minutenlang unglaublich spannend, wenn sie Mama oder Papa in der Nähe wissen. Einjährige schaffen ein alleiniges Beschäftigen etwa 15 min, bei Zweijährigen sind schon gut 30 min möglich. Häufig reicht auch hier die einfache Anwesenheit der Eltern und die (Spiel) Zeit verlängert sich von ganz allein. Später steigert es sich noch altersbedingt und durch gleichaltrige Mitspieler. Mama  und Papa bleiben aber noch lange und gerne die Top(mitspiel)favoriten. Dann ist häufig ein Spiel auch nur, was man bei den Großen mit- oder nachmachen kann. Zum Beispiel mit Hilfe eines Lernturms 🙂

Und wenn nicht, ist es eine wunderbare Zeit um sich einfach mal zurückzulehnen und mit hochgelegten Beinen in aller Ruhe einen Kaffe oder Tee zu genießen. Sie haben es sich verdient !

Wie ist das mit dem Loben. „Wir Loben unsere Kinder zuviel.“ Das höre ich immer wieder und bin überrascht. Ist das wirklich so ?

Mein Eindruck ist, wir tun dies eher zu wenig, wenn man überhaupt ein Maß dafür angeben möchte. Aber vielleicht müsste man hinterfragen was die Verfechter des Weniger-Lobens denn darunter verstehen. Vermutlich geht es ihnen um das plakative und häufig schnell dahin gesprochene „Toll“, „Super“ oder „Gut gemacht“.

Wovon ein Kind sicher profitieren wird und was ihm sicher nicht schadet, ist die Anerkennung dessen, was es leisten kann, im Besonderen wenn es Anstrengung, Überwindung oder Mut gekostet hat. All dies positiv zu bestätigen, kann nicht verkehrt sein. Auch kann nicht verkehrt sein, ein sich sozial einfügen, verzichten oder helfen zu loben. Die Frage ist wahrscheinlich:

Wie machen wir das und nennt man es dann noch Lob?  Oder ist es eher ein Bestätigen, Ermutigen, Mitfreuen ?

Kinder wollen gesehen werden, brauchen Aufmerksamkeit und Anerkennung. Das alles ist wichtig. Was Kinder aber nicht brauchen ist eine Wertung. Und beim Loben ist eine Wertung oft inklusive.
Wenn ein Kind ruft: „Mama schau mal was ich kann!“ ist unser erster Impuls meist  „Toll“ zu sagen. Anders wirkt es zum Beispiel, wenn wir die Situation kurz beschreiben: „Du kannst auf einem Bein stehen.“ oder die Frage: “Du kannst auf einem Bein stehen?”. Prompt kommt dann meist ein stolzes “Jaaa.”
Und wenn Ihnen Ihr Kind das nächste Mal ein Bild zeigt, dann halten Sie kurz inne und nehmen sich etwas Zeit, es genau anzuschauen. Entdecken Sie Details und fragen Ihr Kind, warum es  das eine oder andere in einer bestimmten Farbe gemalt hat. Dieses echte Interesse tut Ihrem Kind unglaublich gut und gibt ihm mehr als ein oberflächliches Lob wie „Toll“ oder “Prima”.

Aber es gibt auch Situationen, wo man sich mit seinem Kind richtig mitfreuen darf und nicht nur neutral beschreibt, was gerade passiert ist. Die ersten Schrittchen zum Beispiel dürfen ausgiebig bejubelt werden. Eine Ich-Botschaft zeigt oft am besten, wie stolz auch Sie sind und das Sie sich von Herzen mitfreuen.

Wichtig ist auch nicht nur das Gelingen zu bemerken, sondern auch den Versuch. Zum Beispiel: zu zeichnen, auf einen Stuhl zu klettern, auf dem Trampolin zu springen, mit Messer, Gabel und Löffel zu essen und die Toilette alleine zu benutzen – all jene Dinge, die jedes Kind erst nach und nach lernen kann. Dann fungiert das Lob als Ansporn und Bestätigung, dass es sich lohnt etwas immer wieder zu probieren auch wenn es noch nicht so gut gelingt.

 

Tipp: Ein persönliches feedback der Eltern wirkt auf besondere Weise. Die Formulierung ist ganz einfach: „Ich bin so froh, dass du jetzt schon alleine ………….. kannst. Das ist wirklich eine große Hilfe für mich.“  Auf diese Art steigert man ganz einfach das Wertgefühl seines Kindes und stärkt gleichzeitig das Band zwischen groß und klein.

Weil mir dieses Thema ein so großes Anliegen ist, nehme ich den Artikel der Fokus-online Redakteurin Gina Louisa Metzler in meinen Blog auf (Orginal hier). Er ist sachlich geschrieben und gut recherchiert. Er verdient es weit verbreitet zu werden.

 Was mit Kindern passiert, wenn Sie sie nachts schreien lassen
Manche Kinderärzte empfehlen Eltern, ihre Kinder “kontrolliert schreien” zu lassen, damit sie lernen, alleine ein- und durchzuschlafen. Führende Wissenschaftler und Forscher auf dem Gebiet der Bindungsforschung kritisieren die Methode scharf. Eltern sollten darüber informiert sein, was das Schreienlassen für ihr Kind bedeutet.
 
 

Es ist die Szene aus dem Dokumentarfilm “Elternschule”, die für die größte Empörung unter den Kinobesuchern gesorgt hat: Ein etwa zweijähriger Junge soll in einer Gelsenkirchener Kinderklinik lernen, alleine ein- und durchzuschlafen. Aber der Trend, Kinder schreien zu lassen, wird immer mehr en vogue. Auch Ärzte raten immer noch dazu.

Um dieses Ziel zu erreichen, wird das Kind in einem Bett mit extrahohen Gitterstäben in einen Klinikraum geschoben. Seine Mutter verabschiedet sich unter Tränen, bevor sie den Raum verlässt. Auch der Junge weint.

Dann wird das Licht ausgemacht und die Tür geschlossen. Von nun an darf seine Mutter das Zimmer nicht mehr betreten. Ihr Kind soll lernen, sich selbst zu beruhigen.

Dieses “Schlaftraining”, wie es in der Klinik genannt wird, erinnert stark an eine Methode, die der amerikanische Arzt Richard Ferber in den 70er Jahren bekannt machte. In Deutschland wurde sie durch das Buch “Jedes Kind kann schlafen lernen” von Psychologin Annette Kast-Zahn und Kinderarzt Hartmut Morgenroth bekannt. Das Buch ist bis heute ein Bestseller.

Kurz gesagt geht es darum, die Babys “kontrolliert schreien zu lassen” bis sie von selbst einschlafen. Eltern sollen sich dabei an bestimmte Zeitintervalle halten, ihre Kinder erst nur wenige Minuten schreien lassen und die Intervalle allmählich immer länger werden lassen.

Das Schreienlassen “funktioniert” – doch zu welchem Preis?

Schon nach kurzer Zeit sollen die Babys so lernen, allein ein- und durchzuschlafen. Nicht wenige Kinderärzte empfehlen die Methode bis heute und auch die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin rät Eltern, ihre Kinder schreien zu lassen.

Selbst in der “Monatsschrift für Kinderheilkunde”, eine Fachzeitschrift, die bei Kinderärzten im Wartezimmer liegt, ist zu lesen: “Man kann dazu ermutigen, das Kind auch schreiend ins Bett zu legen und abzuwarten, bis es nach 15–30 Minuten, oft abrupt, einschläft.”

Die Debatte über das Schreienlassen des Säuglings werde oft ideologisch geführt, heißt es in dem Bericht.

Fakt ist: Die Methode ist umstritten.

Fakt ist aber auch: Sie funktioniert in den allermeisten Fällen tatsächlich.

Allerdings zu einem hohen Preis, wie führende Wissenschaftler und Forscher auf dem Gebiet der Bindungsforschung zu bedenken geben.

Denn Eltern, die absichtlich nicht auf die Bedürfnisse ihrer Kinder reagieren, können die wichtige Bindung zu ihrem Kind aufs Spiel setzen.

Eltern sollten daher über die möglichen Folgen informiert sein, die das Schreienlassen für ihre Kinder haben kann.

Die Kinder lernen nicht, sie schalten ab

Verfechter des “Kontrollierten Schreienlassens” behaupten häufig, die Babys würden durch die Methode lernen, sich selbst zu beruhigen. Tatsächlich hören die Kinder ja irgendwann auf zu schreien und schlafen ein.

Aber kann man wirklich davon sprechen, dass ein Kind schlafen lernt, wenn es dazu gezwungen wird? Hat ein Kind schlafen gelernt, wenn es vor Erschöpfung einschläft?

In Ihrem Buch “Schlaf gut, Baby” erklären der Kinderarzt Herbert Renz-Polster und die Autorin Nora Imlau, warum die Kinder wirklich aufhören zu schreien:

“Sie machen das, was alle Säugetiere tun, wenn sie in einer ausweglosen Situation feststecken: Sie werden stumm. Sie verfallen in das, was Biologen als Schutzstarre bezeichnen: Wer weder durch Kämpfen noch durch Fliehen weiterkommt, tut gut daran, Energie zu sparen. Und wer gelernt hat, dass sowieso keine Hilfe kommt, sollte nicht auch noch Raubtiere auf sich aufmerksam machen. Dass das Kind ruhig ist, heißt also noch lange nicht, dass es schlafen gelernt hat. Es hat gelernt, nicht zu protestieren.”

Der Bindungsforscher und Kinderpsychiater Karl Heinz Brisch bezeichnet diese Schutzstarre als dissoziativen Zustand. Das bedeutet: Sie schalten einfach ab.

Wenn Kinder schreien und brüllen, aber nicht getröstet werden, sei das eine emotional traumatische Erfahrung, erklärt Brisch.

Um sich davor zu schützen, schalteten sie ihre Gefühle ab und spürten nichts mehr. Brisch, der die Abteilung Kinderpsychosomatik im Dr. von Haunerschen Kinderspital an der Ludwig-Maximilians-Universität München leitet, erklärt im Gespräch mit FOCUS Online weiter:

“Wenn man die Kinder schreien lässt, dann verankert sich bei ihnen das Gefühl ‘ich bin alleine, ich bin in Ohnmacht, ich bin in Panik, ich bin hier ausgeliefert und niemand kommt, ich werde sterben, weil ich ohne Hilfe nicht überleben kann’. Und dieses Gefühl von Panik und Ohnmacht ist nicht aushaltbar für die Babys. Deshalb dissoziieren sie, schalten ab. Und dann spüren die Kinder keine Angst mehr, keine Panik, keinen Hunger, keinen Durst mehr, gar nichts – sie melden sich gar nicht mehr.”

Diese Kinder liegen dann nachts wach im Bett, haben Angst oder Hunger, aber melden sich nicht.

Babys und Kleinkinder, die durch das Schreienlassen daran gewöhnt wurden, sich nachts nicht zu melden, schlafen aber nicht etwa durch.

Wie alle Babys auf der ganzen Welt wachen sie nachts auf. “Diese Kinder liegen dann nachts wach im Bett, haben Angst oder Hunger, aber melden sich nicht“, sagt Brisch. Und weiter:

“Sie haben schon sehr früh gelernt, grundlegende, überlebenswichtige Bedürfnisse abzuschalten, sogar ihr Hungergefühl nicht mehr wahrzunehmen und deswegen auch nicht mehr zu weinen.”

Es gibt gute Gründe, dass Kinder nicht durchschlafen

Dass Kinder nachts häufig aufwachen und die Nähe zu ihren Bindungspersonen suchen, ist ein gesundes Verhalten, das mit unserem evolutionären Erbe zusammenhängt.

Für ein Steinzeitbaby waren insbesondere die Nächte lebensgefährlich. Ohne engen Kontakt zu seinen Bindungspersonen wäre es ausgekühlt oder von wilden Tieren gefressen worden. Es war für Kinder also überlebenswichtig, sich gerade in der Nacht immer wieder zu vergewissern, dass sie in Sicherheit sind. Und das bedeutet: In der Nähe ihrer Bindungspersonen.

Daher geraten die Kinder auch in Panik, wenn sie in dieser scheinbar gefährlichen Situation alleingelassen werden. Sie wissen ja nicht, dass die wilden Tiere nicht in den dritten Stock der Stadtwohnung klettern und sie fressen können. Sie wissen auch nicht, dass die Zentralheizung sie vor dem Kältetod bewahren wird.

Sie wissen nur, dass sie ihre Bindungsperson brauchen, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Und genau dieses Gefühl ist für einen ruhigen und erholsamen Schlaf entscheidend.

Hinzu kommt, dass Babys und Kleinkinder in der Nacht alles verarbeiten, was sie am Tag erlebt haben. Und gerade in den ersten drei Lebensjahren ist das mitunter überwältigend viel.

Das Gehirn entwickelt sich rasend schnell in dieser Zeit. Und manchmal verändert sich die Wahrnehmung und das Verständnis, das Kinder von ihrer Umwelt haben, von einem Tag auf den anderen.

Kein Wunder, dass sie dann aufgewühlt sind und Trost und Zuwendung von den wichtigsten Menschen in ihrem Leben benötigen, um diese Erfahrungen zu verarbeiten.

Das Schreien des Kindes ist also immer ein Signal, das die Eltern ernst nehmen müssen. Wenn sie es nicht tun und das Kind mit seiner Angst alleine lassen, kann die Bindung zu den Eltern beschädigt werden.

RÜCKNAHME-AKTION zum Buch “Jedes Kind kann schlafen lernen”

Da ich immer wieder höre, dass die in diesem Buch vorgestellte Methode leider noch weit verbreitet ist und auch den Eltern immer wieder angeraten wird, mache ich Ihnen ein tolles Angebot:

Jeder, der im Besitz dieses Buche ist, kann es mir gerne überlassen und erhält (egal wie oder wo er es erworben hat) den Neupreis auf sein Schlafcoaching angerechnet. Ich werde es dann dem einzig sinnvollen Weg zuführen, so das es niemand mehr lesen und mit Hilfe dieser “Anleitung” an seinem Kind handeln kann.

Denn heute ist bekannt, das diese Art mit Kindern umzugehen ganz sicher nicht bedürfnis- und bindungsorientiert ist und eine gesunde Entwicklung des Kindes gefährden kann (siehe auch Blogbeitrag “Schreien lassen?”).

Das Gute ist: Sie als Eltern können entscheiden, welche Gefühle und Erinnerungen Ihr Kind haben wird. Es gibt Alternativen und man muss diesen Weg, oft gegen sein Bauchgefühl, nicht gehen.

Ich hoffe damit einen kleinen Teil dazu beizutragen, dass es weniger Kinder (und Eltern) geben wird, welche unter dieser Methode im Moment der Anwendung oder auch später leiden müssen.

Und wenn es nur ein einziges Kind wäre, dem dies erspart bliebe, hätte es sich schon gelohnt !
Bücher, die ich gerne weiterempfehle:

Menschenkinder
Plädoyer für eine artgerechte Erziehung
Herbert Renz-Polster

Leitwölfe sein                                                      Liebevolle Führung in der Familie                  Jesper Juul

Stressbewältigung für Eltern durch Selbstfürsorge

SAFE® – Sichere Ausbildung für Eltern
Karl-Heinz-Brisch

Die Eltern-Schule
Kinder fürs Leben stark machen
Andrea Bischhoff / Hans Berwanger

Mutter. sein.
Von der Last eines Ideals und dem Glück des eigenen Weges
Susanne Mirau

Kinder verstehen. Born to be wild:                    Wie die Evolution unsere Kinder prägt
Herbert Renz-Polster

Auf der Suche nach dem verlorenen Glück:
Gegen die Zerstörung unserer Glücksfähigkeit in der frühen Kindheit
Jean Liedloff

Der Kleinkind-Code
Wie Sie Ihr Kind besser verstehen und gelassen erziehen
Tovah P. Klein

Gesundheit für Kinder
Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln
Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche,
Dr. med. Arne Schäffle

Wie Kinder heute wachsen
Natur als Entwicklungsraum
Herbert Renz-Polster, Gerald Hüther

GreenParenting                                                                 Ein toller Ratgeber für alle, die nach Inspiration suchen, mit Kindern ein nachhaltiges Leben zu führen                                                                                 Kate Blincoe

Vier Werte, die Kinder ein Leben lang tragen   Jesper Juul

Kinder zur Stille führen
Meditative Spiele, Geschichten und Übungen
Gisela Preuschof

Anregungen für kleine Feste im Jahresverlauf
Caroline Hosmann

Informative Seiten – einfach anklicken:

www.embryotox.de  Arzneimittelsicherheit in Schwangerschaft und Stillzeit

www.gesund-ins-leben.de  Netzwerk für junge Familien

www.babyfreundlich.org  Babyfreundlich? Eine Initiative von WHO und  Unicef

www.rabeneltern.org  Wir räumen auf mit Ammenmärchen

www.schau-hin.de Wann sind die Kleinen groß genug für die Medienwelt ? – Tipps und Regeln

www.flimmo.tv  Fernsehen mit Kinderaugen – hilfreiche Programmberatung für Eltern zur Mediennutzung

www.individuelle-impfentscheidung.de  Ärzte für individuelle Impfentscheidung e.V.

www.schatten-und- licht.de  Krise rund um die Geburt

www.sozialministerium-bw.de  Ministerium für Soziales und Integration

www.bzga.de  Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

App:

Vergiftungsunfälle bei Kindern  kostenlose Informationen zu Risiken von Medikamenten, Chemikalien und Pflanzen

 
Kinder kommen mit viel Weisheit, doch ohne jede Erfahrung auf die Welt. Sie haben daher ein großes Bedürfnis nach erfahrenen Begleitern.

Jesper Juul